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Polen ist - obwohl direkter Nachbar Deutschlands und seit 2005 in der EU - für viele ein unbekanntes oder durch Klischees charakterisiertes Land. Die polnische Geschichte kennzeichnet der Wechsel von Scheitern und Neubeginn: von Kriegen und Teilungen des Landes, von Unterdrückung und Aufständen. In solchen und anderen außergewöhnlichen Situationen haben viele Polen die Fähigkeit, nicht aufzugeben, sondern sich - im festen Glauben an die Möglichkeit einer Lösung - unkonventionell zu helfen zu wissen. In der polnischen Nationaldichtung spiegelt sich diese Haltung in der „Großen Improvisation“ (1832) von Adam Mickiewicz, dem visionären Monolog eines Dichters, der die gesellschaftlichen Missstände und das Leiden der Menschen im Anschluss an den gescheiterten Novemberaufstand von 1830 beklagt und das Land eigenständig retten will.
Die für die Stadtgalerie Kiel von Dorothee Bienert (Berlin) kuratierte Ausstellung Die kleine Improvisation - Polnische Kunst heute gibt Einblicke in die vitale polnische Kunstszene, deren Vertreter flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen, Krisen und Ängste reagieren, dabei aber auf jeglichen missionarischen Eifer verzichten. Ihre gesellschaftskritischen Bestandsaufnahmen und künstlerischen Visionen sind vielmehr geprägt von Humor und dem Sinn für das Absurde.
Die Künstler der Ausstellung thematisieren die Auswirkungen des Wandels durch den politischen Umbruch der 1990er Jahre auf die polnische Gesellschaft. Dabei spielen persönliche Geschichten eine wesentliche Rolle: An die Konstruktion von Selbstverteidigungswaffen im Wehrunterricht erinnert sich ein Künstler, indem er aus Alltagsgegenständen abstruse Waffen bastelt und deren Verwendungsszenarien erfindet. Von Bauern zusammengebastelte Landmaschinen aus merkwürdigen Ersatzteilen werden heute noch voller Stolz eingesetzt. Nach der politischen Wende konnten die Bewohner sozialistischer Wohnblocks plötzlich ihr Zuhause mittels billiger Farben aus dem Baumarkt von seiner grauen Anonymität befreien und mit individuellem Antlitz versehen.
Eröffnung: 11.06.2010, 19.00 Uhr, www.stadtgalerie-kiel.de