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Till Krause: Kunde von Nirgendwo

Wann?
Mittwoch, 05.05.2021
Uhrzeit:
06:00 Uhr - 23:00 Uhr
Wo genau?
Kunstverein Harburger Bahnhof, Hannoversche Straße 85, Hamburg (Harburg)
Kategorie:
Ausstellungen
Schablone Bekanntmachung der Idee der Freien Flusszone

Quelle:
Till Krause

Langbeschreibung

Freie Flusszone Süderelbe. Hypothetische Schließung für die Binnenschifffahrt. ist ein Kunst- und Forschungsvorhaben der Galerie für Landschaftskunst, einem freien Künstlerprojektraum in Hamburg, zur Neubestimmung eines Landschaftsraumes. Bei Hamburg spaltet sich die Elbe für einige Kilometer in zwei Arme, beide sind zu kanalähnlichen Schifffahrtsstraßen umgebaut. Wäre es angesichts dieser Doppelung möglich, einen Teil des einen Arms aus der ökonomischen Nutzung zu lösen? Was würde dann hier geschehen und welch ein neuartiger Stadt- und Landschaftsraum könnte sich entwickeln? Der etwa sieben Kilometer lange Abschnitt der Süderelbe zwischen Elbbrücken und Bunthäuser Spitze wird zur Freien Flusszone erklärt. Das Projekt wurde 2011 von Till Krause initiiert und entwickelt gemeinsam mit vielen Beteiligten in Aktionen, Kunst und wissenschaftlicher Forschung die Idee von einem neuen Fluss- und Stadtraum.
In den Vitrinen des Kunstvereins Harburger Bahnhof wird im Frühjahr 2021 eine besondere Entdeckung aus dem Gebiet der Freien Flusszone präsentiert.


"Kürzlich machten wir in dem Dorf Bullenhausen ganz in der Nähe Harburgs einen Fund. Auf einer Seitenstraße in einem Sperrmüllhaufen lagen fünf Papierblätter mit einem Textausdruck, überschrieben mit der Zeile Abschrift nach den Papieren meiner Urgroßmutter Natalie Liebknecht. Ein vergessener Abschnitt aus William Morris' KUNDE VON NIRGENDWO. Da uns der Fund eigenartig vorkam, nahmen wir ihn mit und begannen nachzuforschen. Natalie Liebknecht (1835-1909), im Netz ist wenig über sie zu finden, aber sie muss Erstaunliches bewirkt haben. Ihr Leben war eng mit der frühen sozialistischen Bewegung des 19. Jahrhunderts verbunden. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Clara Steinitz (1844-1931) fertigte sie die erste deutsche Übersetzung von William Morris' Roman News from Nowhere an. William Morris (1834-1896) war ein in England lebender Künstler, dessen Tätigkeit Malerei, Kunstgewerbe, Architektur, Dichtung bis hin zu den Ingenieurs- und Buchdruckkünsten vereinte. 1890 erschien seine Erzählung News from Nowhere - ein idyllischer Traum von einer zukünftigen Gesellschaft nach der kommunistischen Revolution - in The Commonweal, der Zeitschrift der britischen Socialist League. Bereits 1892/1893 erschien die Übersetzung unter dem Titel Kunde von Nirgendwo in der sozialistischen Zeitschrift Die Neue Zeit in Deutschland.


Der Text scheint zunächst von einem unbedeutenden Spaziergang zu handeln, aber schnell führt er zu merkwürdigen Beschreibungen und Gedanken. Ein vergessener Abschnitt des Romans, so heißt es im Manuskript. Vergessen von William Morris? Von den Übersetzerinnen? Aus motivischen Vergleichen könnte man folgern, der Text stehe in Verbindung mit dem fünften Kapitel des Romans. Aber weder in den bekannten Veröffentlichungen noch in zugänglichen Handschriften von William Morris existiert eine solche oder ähnliche Passage.


Und ein weiterer Umstand scheint uns merkwürdig: der Fundort. Bullenhausen ist Teil eines Gebietes entlang der Süderelbe, das wir 2011 zur Freien Flusszone ausgerufen haben - gepaart mit der These der hypothetischen Schließung für die Binnenschifffahrt. Die verschiedensten Aktionen von Kunst bis hin zu naturwissenschaftlicher Forschung kreisen seitdem um das Gebiet, einige leise und ganz um ihrer selbst willen, andere lauthals und herausfordernd. Was ist das für ein Gebiet, was könnte hier sein? Könnte es den auferlegten ökonomischen Funktionen und Beschränkungen entrissen werden und sich völlig verwandeln? Ausgerechnet hier ein solches Manuskript zu finden kommt uns wie eine Frage oder Aufforderung vor. Darum entschließen wir uns zur Veröffentlichung. In den Vitrinen des Kunstverein Harburger Bahnhof soll der Fund nun zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Von den Vitrinen aus führen mehrere Führungen und Streifzüge in das Gebiet der Freien Flusszone und zum Fundort."


(Text: Till Krause)

Hinweis: Bitte informieren Sie sich über den aktuellen Status dieser Veranstaltung sowie die geltenden Hygienevorschriften direkt auf der Webseite des Veranstalters.

Quelle

Kunstverein Harburger Bahnhof von 1999 e.V.
Hannoversche Straße 85
21079   Hamburg
Homepage:  kvhbf.de/
Die Verantwortung für die sachliche Richtigkeit der Angaben liegt bei den Veranstaltern.
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